Alternative zum TamponWürdest du eine Menstruationstasse benutzen?

Auf den ersten Blick pfui, auf den zweiten aber hui. Durch die Menstruationstasse wird die Regelblutung aufgefangen und ausgeschüttet statt aufgesogen und weggeworfen. Mutet nicht besonders appetitlich an, soll aber gegnüber Tampons und Binden viele Vorteile haben. Unsere Redaktorin hat für uns nachgeforscht.

Die Menstruationstasse hat tatsächlich viele Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Tampon. Ergahre hier mehr.

 «Würdest du eine Menstruationstasse benutzen?», fragte mich neulich eine Kollegin. Ohne überhaupt zu wissen, was eine Menstruationstasse ist, stand meine Antwort fest: «Auf gar keinen Fall!» Das tönt doch echt ekelhaft. Irgendwie unhygienisch. Nach übertriebenem Ökokram. Und damit eigentlich so gar nicht nach meiner Kollegin, die neuerdings aber ein Fan der Menstasse ist.

Mit dieser Begeisterung zählt sie übrigens zur überwältigenden Minderheit. Höchstens ein Prozent der Schweizer Bevölkerung benutzt bislang eine Menstruationstasse. Doch nur weil es bislang noch wenige Frauen gibt, die auf den Menstruationsbecher schwören, heisst das noch lange nicht, dass das so bleiben muss. Denn bei meiner Recherche musste ich feststellen, dass meine Meinung über Menstruationstassen fasst auschliesslich aus Vorurteilen bestand und dass viele Frauen auch bislang noch nie davon gehört haben.

Menstuationstassen. Na dann, Prost dachte sich unsere Redaktorin!

Menstuationstassen? «Na dann, Prost!», dachte sich unsere Redaktorin! Bild: via Instagram/Ruby Cup

Menstruationstassen gibt es fast ausschliesslich in Apotheken oder in Onlineshops. Bekannte Hersteller und Shops sind beispielsweise Ladyplanet, Ruby Cup, MeLuna, Ladycup, Lunette, Moon Cup, Yuuki oder DivaCup. oder Beworben und deshalb entdeckt werden sie selten. Das könnte sich ändern. Denn derweil wird die Menstruationstasse dank sozialer Netzwerke nämlich nicht nur auf der ganzen Welt immer bekannter, sondern auch immer beliebter.

Woher wohl diese rote Welle schwappt? Natürlich wie immer aus den USA. Zwar läuft der kleinen Silikon-Becher den handelsüblichen Tampons noch lange nicht den Rang ab, wird aber von einer immer grösser werdenden Bewegung getragen, die die Menstruation nicht länger als weibliches Tabu-Thema akzeptieren will und nach natürlicheren Methoden sucht, um die weibliche Menstruation zu begleiten.

Dabei ist die Menstruationstasse keine neue Erfindung. Schon in den 1930er Jahren wurde in Amerika das erste Patent für einen Ladycup angemeldet. Verbreitet hatte er sich dabei bislang aber vor allem in Afrika, wo sich viele Frauen Monatshygieneartikel wie Tampons und Binden nicht leisten können. Mädchen gehen teilweise nicht zur Schule, wenn sie ihre Tage haben.

Wie wird eine Menstruationstasse angewendet?

Wie man eine Menstruationstasse richtig anwendet.

Die Schweizer Frauenwebsite für natürliche Verhütung Ladyplanet erklärt die Anwendung des Ladycups mit dieser Skizze. Mentruationstasse zusammendrücken, auf der Toilette einführen, nach spätestens 12 Stunden ausführen, auspülen und auswaschen. Bild: via Ladyplanet

Anders als ich zunächst gedacht habe, wird die kelchartige Menstruationstasse nicht auf der Toilette zum freien Menstruieren unter die Vagina gehalten, sondern eingeführt. Es ist also doch alles sehr viel hygienischer als ich vermutet hatte. Aber schon denke ich, Autsch! «Tut das nicht weh, wenn du so einen grossen Plastikbecher in dir drin hast?», frage ich meine Kollegin.

Sie erklärt mir, dass die Menstruationstasse aus weichem und medizinischem Silikon ist beim Einführen in sich zusammengefaltet ist und erst in der Vagina auseinander ploppt. Ich stelle mir das wie das spontane Aufklappen eines Regenschirms vor. Das macht mir aber auch Sorgen. Ich weiss zwar nicht allzu viel über Anatomie, aber ich weiss wie es sich anfühlt, wenn ein Tampon falsch sitzt. Deshalb frage ich nochmal:

Tut das nicht weh?

Durch die Bildung eines kleinen Vakuums fände die Menstruationstasse ihren perfekten und festen Sitz, erklärt mir meine Freundin. Etwas Übung bedürfe es aber am Anfang schon. Aber mir sei ja sicher auch schon das ein oder andere Tampon verrutscht. Stimmt.

Und ich gebe zu, dass mit dem Vakuuum ist mir alles ein wenig zu naturwissenschaftlich, um meinen Daumen schon zu heben. Aber dass meine Kollegin, die Menstruationstasse nicht als unangenehm empfindet, - sie findet sie sogar bequemer als Tampons, beruhigt mich. Grund hierfür sei der Umstand, dass die Menstruationstass im Gegensatz zum Tampon die Schleimhaut der Vagina nicht berührt.

Da anders als bei Tampons und Binden, dass Menstruationsblut nicht aufgesogen, sondern nur aufgefangen wird, muss die Tasse regelmässig allerdings entleert und ausgewaschen werden. Am Ende der Periode sollte der Mensbecher ausgekocht und desinfiziert werden, dass keine Keime überleben können. Etwas mehr Pflege braucht es also schon.

Und ich frage mich, ob vor allem junge Mädchen sich mit einer Menstruationstasse anfreunden können. Tampons gibt es beispielweise mit Applikator und in verschiedenen Grössen, je nach dem wie stark die Blutung ausfällt.

Menstruationstassen gibt es dagegen in der Regeln in zwei Grössen. Die kleinere Tasse richtet sich vor allem an Frauen die noch nicht entbunden haben, die grössere an Frauen, die schon einmal eine natürliche Geburt erlebt und deshalb einen eher schwächere Beckenbodenmuskulatur haben.

Das Herausnehmen der Menstruationstasse soll durch kleine Löcher am oberen Rand vereinfacht. Durch die Löcher gelangt Luft in die fest sitzende Tasse, das Vakuum wird aufgelöst und die Tasse lasse sich leicht herausnehmen.

Aber schaut selbst. Im oben eingeblendeten Video erklärt der Hersteller Ruby Cup sein Produkt, das mit jedem hierzulande verkauften Ladycup einen an ein Mädchen in Afrika spendet.

Die überraschend vielen Vorteile der Menstruationstasse

Menstruationstasse und Tampon im Vergleich: Die wichtigsten Vor- und Nachteile

Im Vergleich mit einem herkömmlichen Tampon kann sich die Menstruationstasse ruhig sehen lassen. Bild: iStock

1 Neben eingeschworenen Tassen-Fans sind sich übrigens auch die meisten Mediziner einig: Bei richtiger Handhabung gibt ein keinerlei hygienischen Nachteil. Tatsächlich ist der Menstruationsbecher bei korrekter Handhabung sogar hygienischer als Tampons oder Binden. Und weil der Mensbecher nicht in Kontakt mit den Schleimhäuten in der Vagina kommt, bietet er auch einen höheren Schutz gegen Infektionen. Das medizinische Silikon ist in seiner Oberfläche auch so so beschaffen, dass Bakterien ohnehin nur schwer daran haften bleiben.

2 Im Gegensatz zu Tampons trocknet die Mentruationstasse die Schleimhäute der Vagina nicht aus. Sie kann daher deshalb schon gut vor dem Einsetzten der Periode getragen werden und ist für Frauen die zu Pilzinfektionen neigen, besser geeignet.

3 In puncto Hygiene schreibt sich die Menstruationstasse sogar den besonderen Bonus zu, dass durch das Vakuum kein Sauerstoff an austretendes Blut kommen kann und damit auch eine unangenehme Geruchsbildung ausbleibt.

4 Mit einem Auslaufschutz von bis zu 12 Stunden ist die Menstruationstasse sicherer als herkömmliche Tampons oder Binden. Mit bis zu 30 ml Fassungsvermögen soll die Menstruationstasse obendrein auch noch mehr Blut auffangen können, als ihre gewöhnlichen Kollegen.

5 Eben weil die Menstruationstasse nach dem Auswaschen immer wieder benutzt werden kann, handelt es sich um eine sehr viel umweltschonendere Variante als Tampons und Binden.

6 Die Menstruationstasse spart Geld. Eine Menstruationstasse kostet zwar einmalig um 50 Franken, das rechnet sich aber über die nächsten 10 Jahre. So lange soll der Mensbecher etwa halten und uns die Kosten von rund 120 Packungen Tampons sparen.

Wirklich alles prima? Die Nachteile der Menstruationstasse

Wir die Menstruationstasse im Bad bald so selbstverständlich sein wie ein Tampon?

Wird die Menstruationstasse im Bad bald so selbstverständlich sein wie ein Tampon? Bild: iStock

Tönt also alles recht überzeugend, fast so als gäbe es gar keine Nachteile der Menstruationstasse. Aber das stimmt nur bedingt.

1 Denn die Menstruationstasse ist nur dann hygienischer und zuverlässiger, wenn sie auch richtig angewendet wird. Das will allerdings erst mal gelernt sein. Manche Verwenderinnen beklagen, dass das Ein- und Ausführen der Menstruationstasse nicht immer reibungslos funktioniert.

2 Das  Entleeren, Auswaschen und Desinfizieren bedeutet zusätzlich Arbeit. Der Zeitaufwand ist zwar relativ gering, allerdings in der Öffentlichkeit vielleicht für viele Frauen doch ein Problem. Hersteller empfehlen eine Wasserflasche mit in die Toilette zu nehmen und die Tasse dort auszuwaschen oder mit Toilettenpapier auswischen wird empfohlen. Naja...Und Ich kann mir jedenfalls schwer vorstellen meine Menstruationstasse auf der Bürotoilette zu waschen oder in der WG-Küche zu desinfizieren und ich möchte auch nicht immer eine Flasche Wasser mit mir herumtragen. Und ihr?

3 Gynäkologen sind zwar fast einstimmig der Meinung, dass die Menstruationstasse eine sichere Alternative zu Tampons und Binden ist, raten bei starker Menstruationsblutung aber davon ab.

4 Auch ist es für manche Frauen einfach kein schönes Gefühl, das eigene Blut sehen und volle Tasse damit auch noch regelmässig entleeren zu müssen.

5 Auch ein Kritikpunkt: Manche Modelle sind statt Silikon aus Latex gefertigt. Darauf können einige Frauen allergisch reagieren.

6 Wer Hemmungen hat sich Intimbereich zu berühren, wir mit der Menstruationstasse seine Schwierigkeiten haben. Um den Sitz der Menstasse zu überprüfen, müssen die Finger eingeführt werden.

7 Wer bereits eine Spirale oder eine Kupferkette hat, empfindet die zusätzliche eingeführte Menstruationstasse unter Umständen als unangenehm.

Nur in einem Punk sind sich dennoch alle einig: Die Menstruationstasse produziert deutlich weniger Müll als all die herkömmlichen Alternativen. Und das ist ein unbestreitbarer Bonuspunkt. Ob ich aber allein deshalb die Menstruationstasse ausprobiere? Weiss ich noch nicht. Aber vielleicht tut ihr es ja und spornt mich mit Ihren Erfahrungen an.

Hast du bereits Erfahrungen mit einer Menstruationstasse gemacht? Hinterlasse einen Kommentar und erzähle uns davon.

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