Milchersatz im VergleichSoja, Mandel oder Hafer?

Pflanzlicher Milchersatz läuft Kuhmilch langsam den Rang ab. Aber wie schmecken Milchdrinks? Welche passen zu Kaffee? Und welche sind nachhaltig?

Statt Kuhmilch: Der beste Milchersatz – von Mandelmilch bis Hanfdrink.

Immer mehr Menschen suchen nach einer Alternative zu gewöhnlicher Kuhmilch. Sei es wegen Unverträglichkeit, einem veganen Lebensstil oder im Rahmen einer nachhaltigen Lebensweise. Denn schliesslich geht ein Grossteil aller Treibhausgase auf das Konto von Massentierhaltung. Auch ethische Bedenken, welche mit Nutztierhaltung einher gehen, veranlassen viele Konsumenten dazu, nach einem pflanzlichen Milchersatz Ausschau zu halten. Nicht zuletzt werden vermehrt Studien publik, die den vermeintlichen gesundheitlichen Nutzen von Kuhmilch in Frage stellen.

Vielleicht ist es auch nur eine Lifestyleerscheinung oder die Lust auf einen neuen Geschmack, die pflanzlichen Milchersatz immer beliebter macht. Für Interessierte lohnt es sich auf jeden Fall, verschiedene Produkte und Marken durchzuprobieren – die Unterschiede in Geschmack und Konsistenz sind oft ziemlich gross. Häufig vereinen Kombiprodukte das beste aus zwei Milchalternativen. Wer neugierig ist, was es an veganen Alternativen zu Kuhmilch gibt, kann mit dieser Übersicht seinen (Wissens-)Durst stillen.

Mandelmilch

Mandelmilch wird aus Mandeln und Wasser hergestellt und ist inzwischen neben Sojamilch  eine der gängigsten Alternativen zu Kuhmilch. Dieser Milchersatz ist besonders reich an ungesättigten Fettsäuren und besonders magenbekömmlich. Dafür ist der Gehalt an Kalzium vergleichsweise gering.

Geschmack und Gebrauch: Mandelmilch ist ein nussiger und leicht süsslicher Milchersatz. Vor allem im Müesli oder zum Backen eignen sich der Geschmack und die Konsistenz hervorragend. Im Kaffee neigt Mandelmilch dazu, leicht flockig zu werden. Aufgeschäumt ergibt sie hingegen einen feinen, gleichmässigen Schaum und passt vor allem gut zu Cappuccino.

Besonderheiten: Der grösste Teil der Mandeln wird aus den USA exportiert. Mandelbäume wachsen dort im trockenen Kalifornien und benötigen Unmengen an Wasser, um gedeihen zu können. Der grossflächige Anbau in Monokulturen bedroht ausserdem die Bienenvölker. Nachhaltig ist die Produktion also leider nicht. Wer ökologisch leben möchte, sollte Mandelmilch daher nicht literweise trinken, sondern das Produkt als besonderen Genuss verstehen. Es können auch Mandeln aus Europa gekauft und die Mandelmilch selbst hergestellt werden.

Preis: Rund 3 Franken pro Liter.

Sojamilch

Sie ist längst zum Klassiker unter den Alternativen zu Kuhmilch avanciert. Kein Wunder: Der hohe Eiweissgehalt bei vergleichsweise wenig Fett macht Sojamilch zu einem gesunden Milchersatz. Umstritten ist lediglich die Wirkung der enthaltenen Isoflavone. Dabei handelt es sich um bestimmte Pflanzenstoffe, von denen eine hormonähnlichen Wirkung ausgehen kann und die bereits im Verdacht standen, in höheren Dosen gesundheitsschädlich oder gar krebserregend zu sein. Experten raten bei Kleinkindern und Säuglingen vom Verzehr von Soja ab.

Geschmack und Gebrauch: Je nach Sorte ist der Geschmack von Sojamilch etwas erdig bis getreidig. Den puren Genuss mag nicht jeder. Um den Eigengeschmack zu kaschieren, kommt Sojamilch oft gesüsst daher. So eignet sie sich auch hervorragend zum Backen oder für Müesli und Nachspeisen. Im Vergleich zu vielen anderen Milchalternativen lässt sich Sojamilch relativ gut aufschäumen. Ungesüsst ist sie im Kaffee eher Geschmackssache. Viele schwören hier auf eine Mischung aus Soja und Mandel.  

Besonderheiten: In Puncto Nachhaltigkeit ist Sojamilch als Milchersatz umstritten. Für einen Grossteil der Produktion werden riesige Flächen Regenwald abgeholzt, um die Pflanze günstig anzubauen. Am besten, du achtest beim Kauf darauf, woher das Soja kommt – es gibt auch Produkte aus Europa.

Preis: Rund 1,50 Franken pro Liter.

Kokosmilch

Dieser Milchersatz wird aus gepressten Kokosraspeln gewonnen und hat den Ruf, besonders fett zu sein; dabei liegt sein Fettgehalt je nach Sorte unter dem von Rahm. Zudem handelt es sich bei den enthaltenen Fetten um gut bekömmliche, ungesättigte Fettsäuren.

Geschmack und Gebrauch: Kokosmilch schmeckt exotisch. Aus diesem Grund eignet sie sich auch nicht uneingeschränkt für jeden Gebrauch. Zu dominant ist der Kokos-Geschmack beispielsweise im Kaffee, aber oft auch im Müesli oder zum pur Trinken. Ausserdem ist Kokosmilch nicht gerade günstig – Literpackungen gibt es in den grossen Supermärkten meist nicht. Dafür lassen sich leckere exotische Gerichte wie Currys mit ihr kochen. Auch Cocktails können gemixt oder Kuchen gebacken werden.

Besonderheit: Kokosmilch ist der einzige pflanzliche Milchersatz, der im Handel den Namen „Milch“ tragen darf. Zum Schutz der Milchindustrie wurde gesetzlich geregelt, dass alle anderen Ersatzprodukte nur unter Bezeichnungen wie Drink oder Shake verkauft werden dürfen. Weil die Bezeichnung aber einfach viel geläufiger ist, bleiben wir in diesem Fall jeweils bei „Milch“.

Preis: Rund 7 Franken pro Liter.

Hafermilch

Ohne Laktose, Milcheiweiss und Sojabestandteile ist dieser Milchersatz wohl einer der bekömmlichsten. Dafür kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass Hafermilch Gluten enthält. Ihr Kaloriengehalt ist eher hoch. Dafür punktet dieser Milchersatz anderswo: Hafermilch soll nämlich cholesterinsenkend wirken.

Geschmack und Gebrauch: Hafermilch ist häufig leicht wässrig (Achtung, gut schütteln!) und schmeckt ein wenig wie flüssige Haferflocken, also sehr getreidig. Zum Backen oder zum Müsli passt der Geschmack perfekt – Kaffeefreunde können mit ihren Aromen jedoch oft nur wenig anfangen. Dazu kommt, dass das Aufschäumen nicht so richtig klappt.

Besonderheiten: Hafermilch stammt in aller Regel aus regionalem Anbau – ein grosses Plus für diesen Milchersatz.

Preis: Rund 2 Franken pro Liter.

Reismilch

Reismilch ist eine Getreidemilch, die einen hohen Kaloriengehalt hat, dafür leider nur wenig Nährstoffe besitzt. Sie ist laktosefrei, milcheiweissfrei und glutenfrei und bietet sich so als tolle Milchalternative bei typischen Unverträglichkeiten an.

Geschmack und Gebrauch: Reismilch ist recht geschmacksneutral, lediglich ein wenig süss. Darum eignet sie sich gut zum Backen, zum Herstellen von Süssspeisen wie Milchreis oder Griesspudding oder zum Müesli. Für Kaffee lässt sich die eher wässrige Flüssigkeit mit den schlechten Aufschäumeigenschaften hingegen weniger gut gebrauchen. Viele mögen die Kombi aus Reis- und Mandelmilch.

Besonderheiten: Wegen der geringen Nährstoffwerte sollte Reismilch nicht als alleiniger Milchersatz verwendet werden. Vor allem Kinder brauchen eine zusätzliche, nahrhaftere Alternative.

Preis: Rund 2 Franken pro Liter.

Hanfmilch

Der geringe Anteil gesättigter Fettsäuren und der vergleichsweise hohe Gehalt guter Fette macht Hanfmilch zu einem immer beliebteren Milchersatz. Bereits in einem halben Liter Hanfmilch ist die empfohlene Tagesdosis an Omege-3-Fettsäuren enthalten. Und keine Sorge: Einen Rausch bekommt man von Hanfmilch nicht. Dieser Milchersatz wird nämlich nicht aus den Hanfblüten, sondern aus den Samen hergestellt.

Geschmack und Gebrauch: Ein bisschen süss und ein klein wenig getreidig, dabei aber in keinem seiner Aromen zu dominant: So etwa kann man sich den Geschmack von Hanfmilch vorstellen. Diese aromatische Zurückhaltung macht diesen Milchersatz damit auch perfekt geeignet für Kaffee, Milchspeisen und zum Müesli.

Besonderheiten: Leider ist das Angebot von Hanfmilch hierzulande noch eher klein. Oft führen nur Bio-Läden diesen Milchersatz. Doch mit steigender Popularität wird sich das sicher bald ändern.

Preis: Rund 5 Franken pro Liter.

Haselnussmilch

Dieser Milchersatz aus Haselnüssen und Wasser duftet so aromatisch wie eine leckere Nussnougatcreme. Tatsächlich erinnert auch der Geschmack (vor allem dann, wenn Zucker zugesetzt ist) an den leckeren Brotaufstrich. Der hohe Gehalt an Kalzium, Mangan, Selen, Zink und Eisen dieses Milchersatzes ist ein Vorteil, sollte aber nicht über den ebenfalls überdurchschnittlichen Kaloriengehalt hinweg täuschen.

Geschmack und Gebrauch: Vor allem zum Herstellen von Süssspeisen eignet sich dieser Milchersatz hervorragend. Er ist auch pur ein Genuss für all jene, die es nussig und süss mögen. Selbst Kaffee-Freunde sind immer öfter von Haselnussmilch überzeugt; sie lässt sich nämlich sowohl aufgeschäumt, als auch flüssig gut zu Kaffee geniessen und verfeinert ihn mit einem leichten Haselnuss-Aroma.

Besonderheiten: Genau wie Mandelmilch lässt sich auch Haselnussmilch durch das Quellen von Haselnüssen in Wasser leicht selbst herstellen. Der Vorteil dabei ist, dass man selbst Einfluss auf den zugegebenen Zuckeranteil nehmen kann.

Preis: Rund 5 Franken pro Liter.

Dinkelmilch

Vor allem Personen, welche auf Milcheiweiss allergisch reagieren, vertragen Dinkelmilch als Milchersatz sehr gut. Weniger lobenswert ist der geringe Eiweiss- und Nährstoffgehalt. Immerhin schneidet Dinkelmilch in Sachen Fettgehalt vergleichsweise gut ab.

Geschmack und Gebrauch: Zwar lässt sich diese Getreidemilch recht gut aufschäumen, der intensive getreideartige Geschmack macht sie aber nicht unbedingt zum perfekten Begleiter des Morgenskaffees. Auch der pure Genuss ist eine Frage des persönlichen Geschmacks – frisch aus dem Kühlschrank aber ziemlich lecker und nah an dem von Kuhmilch. Die Getreidemilch eignet sich besonders gut für Süssspeisen und zum Backen.

Besonderheiten: Wegen des geringen Nährstoffanteils kann Dinkelmilch nicht als vollwertiger Milchersatz empfohlen werden. Vor allem Kinder sollten weitere Alternativen zu sich nehmen.

Preis: Rund 2,50 Franken pro Liter.

Bilder: Pexels, sjenner13/iStock

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