Keine falsche Scham: Warum Selbstbefriedigung sinnvoll ist

SELBST IST DIE FRAUWarum Selbstbefriedigung wichtig ist

Wer sexuell unbefriedigt ist, ist selber Schuld. Denn alles was Sie brauchen, haben Sie selbst in der Hand. Wir sprechen offen über das falsches Tabu Selbstbefriedigung. Tun Sie es auch. Mit sich!

Was machen Sie heute Abend? Ah, Sie bleiben zuhause, schieben sich eine Pizza in den Ofen, spielen ein Videospiel und dann masturbieren Sie ein wenig. Dann sind Sie wahrscheinlich ein Mann? Denn was Männer angeblich ständig tun, tun wir Frauen viel zu wenig. Und wenn wir es tun, dann darf das bloss keiner wissen. Auch das unterscheidet uns von den meisten Herren der Schöpfung. Denn Männer masturbieren nicht nur schamlos, sie sprechen auch noch darüber. Und das ist gut so.

Denn erstaunlich ist, dass wir Frauen heute zwar häufig sehr viel mehr über Liebe und Sex reden, aber nicht über die Liebe zu uns selbst. Von unseren Müttern haben wir wahrscheinlicher noch gelernt, das gehört sich nicht, während man über unsere Brüder die mit dem Bademodenkatalog auf dem Klo verschwanden neckisch grinste.

Nur wer alleine gut ist, ist es auch zu zweit.

Tina Gong hat das am eigenen Leib erfahren. Als sie im Teenager-Alter darüber sprach, dass sie es geniesse ihren Körper selbst zu entdecken. Ihre besten Freundinnen fanden sie plötzlich abstossend. Heute will sie sich nicht mehr dafür schämen und auch andere die Scham an der Selbstbefriedigung nehmen. Dafür hat sie eine sprechende Vulva namens «Happy» kreiert, die uns im Videospiel «Happy Play Time» das Masturbieren näher bringen soll. «Happy» ist pink und süss und etwas erzieherisch: «Das ist die Klitoris. Machen Sie eine kreisförmige Bewegung auf ihr.»

Nun ja, vielleicht müssen Sie nicht ganz von vorne anfangen, wahrscheinlich brauchen Sie auch keine App dafür, aber Tina Gong schafft es, dass wir über die falsche Scham bei der weiblichen Selbstbefriedigung nachdenken müssen, wenn sie sagt: «Sexualität ist einer der grundlegendsten Instinkte der Menschen. Sich mit dem eigenen sexuellen Vergnügen wohlzufühlen ist eine Voraussetzung für beides, um auf eine gesunde Art und Weise Befriedigung von anderen akzeptieren zu können und anderen Befriedigung schenken zu können.» Oder wie sollen wir mit jemanden sexuelles Vergnügen austauschen, wenn wir nicht wissen, was unserem eigenen Körper gut tut?

Ohne Berührung, keine Lust!

Selbstbefriedigung ist nicht nur ein sinnvoller, sondern sogar notwendiger Weg, um die eigene Libido aufrecht zu erhalten und die eigenen Wünsche und Erregungszustände überhaupt erst kennen zu lernen. Dennoch wüssten viele Frauen überhaupt gar nicht, was bei ihrer sexuellen Erregung passiert, berichtet Susanna-Sitari Rescio, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Leiterin des SoHam-Institut in Hamburg. Wie das sein kann? Ganz einfach: Indem Sie den Unterschied niemals gesucht und herausgefunden haben. Denn auch das sagt die Sexualtherapeutin: «Für sexuelle Befriedigung ist jeder selbst verantwortlich.»

Über sexuelle Enttäuschungen beim gemeinsamen Liebesspiel mit dem Partner muss man sich (als masturbations-faule Frau) also nicht wundern. Und erst recht nicht dem Partner die Schuld dafür geben. Es ist nämlich wie beim Kochen: Wenn man nicht weiss, was einem schmeckt, ist es nicht verwunderlich, dass man selbst in einem Spitzen-Restaurant nicht bekommt, was man mag. Denn auch die Herren der Schöpfung können nicht hell sehen. Zwar haben sie in punkto sexuelle Befriedigung oft die Nase vorn, aber nicht, weil Männer egoistische Lüstlinge sind, sondern wohl eher, weil sie kein Problem damit haben zu sagen, ja ich habe Lust und das tut mir gut. Männer machen es einfach. Und kennen sich dementsprechend besser mit der eigenen Lust aus.

Bei Frauen ist das anders. Susanna-Sitari Rescio erzählt, «viele Frauen berühren sich nur äusserlich oder sagen, dass sie innen nichts spüren. Ich erkläre ihnen dann, dass erst durch wiederholte Berührungen Rezeptoren aktiviert werden, die diese angenehmen Empfindungen auslösen. Auch Rezeptoren können in eine Art Winterschlaf fallen und brauchen liebevolle und achtsame Berührungen. Mit etwas Zeit können Frauen herausfinden, was sie erregt, wenn sie ihre Vaginalwände, ihren G-Punkt beziehungsweise ihren G-Bereich oder ihren Beckenboden berühren.» Es ist eben wie bei allem: Erst die Übung macht den Meister.

Masturbation sollte man sich gönnen

Durch Selbstbefriedigung gewinnt man Vertrauen im Umgang mit der eigenen Lust, fördert diese und trainiert sich selbst in der Kunst der Ekstase und kann so auch beim Sex mit dem Partner mehr Spass und Befriedigung finden. Dennoch sollte Selbstbefriedigung nicht als reines Training verstanden werden. Masturbation ist nicht die Generalprobe für den grossen, gemeinsamen Akt. Im Gegenteil: Selbstbefriedigung ist weder ein Ersatz noch eine Übung. Es ist eine eigenständige und lustvolle Ergänzung zum Sex mit dem Liebsten. Es ist das Sahnehäubchen, das jedem zusteht. Und für das niemand zu schamvoll sein sollte, es sich zu nehmen.

Und übrigens: Selbstbefriedigung ist keinesfalls derart eigenständig, dass man sie nicht auch mit seinem Schatz teilen könnte. Im Gegenteil. Auch das ist wie beim Kochen. Wer dem Koch buchstäblich auf die Finger schaut, lernt nicht nur dazu, sondern bekommt selbst auch Appetit. Nur kosten müssen Sie es noch immer allein. Und? Haben Sie Appetit bekommen? Falls nicht: Verschaffen Sie ihn sich! Selbst ist schliesslich die Frau!

Text: Linda Freutel

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