Mythos Mutterglück«Ich will kein Kind, ich will lieber einen Hund»

Was junge Eltern versuchen mit süssen Worten zu bekräftigen, haben Studien mit knallharten Fakten widerlegt. Tatsache ist: Obwohl sich die meisten Frauen Kinder wünschen, machen sie nicht zwingend glücklich. Warum reden Millionen von Eltern ihren Kindersegen dennoch so schön? Ein Streitgespräch. 

Wenn ich den bösen Blicken meiner Freundin Natalie Glauben schenke, dann muss ich die Sache mit dem Sinn des Lebens vollkommen falsch verstanden haben. Mehr noch: Ich muss den Sinn meiner weiblichen Existenz irgendwie fehl gedeutet haben. Denn als ich Nathalie erzähle, dass ich keine Kinder haben möchte, flippt die sonst so warmherzige Jungmutter plötzlich völlig aus und überrollt mich mit einer Moralpredigt, die sich gewaschen hat.

Aber warum eigentlich? Ich habe doch weder ihren süssen Säugling noch ihre Entscheidung Mutter zu werden angezweifelt. Ich habe lediglich meine eigene Ansicht geteilt, nämlich aus Kindern kein Glück gewinnen zu können. Vollkommen wertungsfrei.

Elternglück ist Selbstbetrug

Als ich Natalies Explosion mit ihrem aktuellen Schlafmangel entschuldigen will, fallen mir Studienergebnisse in die Hände, die jegliche Erklärungsversuche obsolet machen. Darin steht es schwarz auf weiss: Nathalie ist wahrscheinlich so dünnhäutig, weil so nicht zufrieden ist. Eine Studie von kanadischen Psychologen belegt, dass Eltern keineswegs immer so happy sind. Im Gegenteil: Elternglück sei ein klassischer Fall von Selbstbetrug. Junge Eltern sind laut der Studie unglücklicher als kinderlose Paare ihres Alters. Im Bestreben, das eigene Unglück zu vertuschen, reden sich Eltern jedoch vehement ihr vermeintliches Kinderglück ein. Und dem Rest Ihres Umfeldes gleich mit. Und wehe, jemand behauptet das Gegenteil!

Kinder sind teuer

Auch wenn Natalie noch immer versucht mich zu überzeugen,  mein Herz  v einfach nicht für Kinder erweichen. Mit den Fakten will es erst recht nicht passieren. Eine weitere Studien zeigt, dass Kinder nichts mit Glück, dafür umso mehr mit Zeit und Geld zu tun haben. Kinder kosten Schlaf, Nerven und vor allem einen Haufen Geld. Fast 200.000 Taler darf man bei Seite legen, wenn man seinen Sprössling bis zur Volljährigkeit durchbringen will. Ein Haufen Geld. Und ein noch grösserer Haufen Verantwortung. Hand auf’s Herz: Warum sollte sich jemand, der klaren Verstandes ist, das freiwillig antun?

Junge Eltern darf man eine solche Frage übrigens nicht stellen. Ihre Antwort ist nämlich umso gefärbter, je höher die finanzielle Belastung ist. Ja, auch dafür habe ich wissenschaftliche Beweise: Je mehr wirtschaftliche Last der Nachwuchs bringt, desto grösser ist die emotionale Idealisierung des Elternglücks. Kurz gesagt: Je teuerer das Kind, desto grösser der elterliche Selbstbetrug. Irgendwie muss man sich ja vor der Verzweifelung schützen. Schöne Worte sind hier das beste, wenn wohl auch einzige Mittel der Wahl.

Baby-Blues statt Beziehungsglück: Kinder belasten die Ehe

Schöne Worte erscheinen mir tatsächlich als das einzige Glück, was Eltern haben. Denn auch in ihren Partnerschaften suchen junge Eltern ihren emotionalen Glücksausgleich zum Baby-Blues vergebens. Sorry Nathalie, auch in dieser Hinsicht sprechen aktuelle Studienergebnisse gegen Dich. Ein Baby ist Ballast für die Beziehung. Ganze 90 Prozent der befragten Paare waren mit ihrer Ehe nach der Geburt des ersten Kindes unzufriedener wie vorher.

Viele Kinder, noch mehr Unglück?

Meine Forschungen und Beobachtungen sind sich also einig: Kinder gleichen einer emotionalen und finanziellen Katastrophe. Die kinderlos zu bleiben, macht für mich auch Sinn, weil Frauen ohne Nachwuchs durchschnittlich mehr verdienen, häufiger in den Urlaub fahren und über eine fleckenfreie Wohnzimmereinrichtung verfügen. Selbst Natalie gibt zu, dass meine These soweit logisch klingt, aber nicht ganz wasserdicht. Meine Behauptungen seien aber dennoch nicht ganz wasserdicht. Meine puderrote Jungmutter-Freundin steht plötzlich auf und lässt mich mit der Frage allein, wie es den sein kann, dass unzählige Eltern, die sich der Kinder-Katastrophe schon einmal gestellt haben, ganz bewusst ein zweites, drittes oder gar viertes Mal in den biologischen Ruin stürzen? «Wenn Kinder so unglücklich machen, könnte die Schönrederei nach dem ersten Kind doch eigentlich ein Ende haben», sagt Natalie.

Besser spät, als nie: Kinder machen doch glücklich

Gibt es am Ende vielleicht doch etwas, das schwerer wiegt, als der Verzicht auf Geld, Sex und ausreichend Schlaf? Und wie will ich das herausfinden, wenn ich selbst keine Kinder habe? Mitreden und mitfühlen kann man doch eigetnlich nur mit Erfahrung. Und wenn sich der Kopf sperrt, diese zu machen, wird das Herz wohl nie wissen, was unzählige Eltern – und nun auch die Wissenschaft behaupten: Kinder machen sich am Ende nämlich doch bezahlt. Denn selbst Eltern, die Kinder zu haben in der Anfangszeit als Belastung empfinden, erleben später eine Art «return in investment». Wenn sich die Kinder abnabeln, beginnt eine neue Beziehung. Nun bekommen Eltern nämlich etwas von Ihrem Nachwuchs zurück – und das ist weder erklär- noch kalkulierbar, sondern schlichtweg ein schönes Gefühl: Familienfreude und gegenseitige Verbundenheit kommen dem Sinn des Lebens wohl doch recht nahe. Kinder zu haben entspricht (spätestens jetzt) wohl doch einem grossen Glück.

Doch auch wenn sich Wissenschaft und Eltern hier einig sind, liegt der Wahrheit letzter Schluss woanders. Denn ob man mit oder ohne Kindern dem vollkommenen Glück am nächsten kommt, muss am Ende wohl offen bleiben – schliesslich kann man immer nur von dem reden, was man selbst erlebt hat. Daher gibt es im Leben auch keine Fehler, sondern nur Erfahrungen. Das ist ja das Gute.

Richtig oder falsch scheint es daher nicht zu geben. Es gibt nur entweder... oder.

Unsere Autorin wünscht sich keine Kinder. Manche Frauen scheinen den Kinderwunsch schlicht nicht in sich zu tragen, dafür andere umso mehr. Was denken Sie? Hat wer sich Kinder wünscht einfach kein Herz?

Foto: Zoonar

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