Mompreneur Judith Józsa«Die besten Ideen kommen unterwegs»

Judith Józsas Kinder wissen, wie man einen Feuerlöscher bedient. Ihre Freunde dagegen hoffen lieber, dass sie das hässliche Ding nie brauchen werden. Das bringt die zweifache Mutter auf die zündende Idee. Als Mompreneurin will Judith Józsa Schweizer Haushalte sicherer machen – und das aber bitte mit Stil.

Hand aufs Herz - wisst ihr was zu tun ist, wenn irgendwo der Rauchmelder losgeht? Der Aufzug stecken bleibt? Oder jemand einen Unfall hat? Judith Józsas Kinder sind neun und elf Jahre alt – und wissen das. Denn ihre Mutter gibt ihnen mit, was sie brauchen, um im Notfall nicht panisch sondern selbständig zu reagieren.

Doch was ihre beiden Kinder wissen ist nicht selbstverständlich, das hat Judith Józsa bald erkannt. Denn ihre Freunde können mit dem Feuerlöscher, dem Rauchmelder und dem Erste-Hilfe-Set in ihrem Haus so gar nichts anfangen. Dadurch beginnt Judith Józsa sich auf die Suche nach Sicherheitsprodukten zu machen, die Funktion mit tollem Design vereinen. Es dauert nicht lange und aus der Suche wird eine Geschäftsidee. Judith Józsa verwirklicht ihren Traum: Gemeinsam mit ihrem Mann gründet sie ein Unternehmen. Mit ihrem Webshop will die Mompreneurin zeigen, wie man seine Familie auf alltägliche Gefahren vorbereiten kann. Und, dass Feuerlöscher nicht hässlich sein müssen. 

Liebe Judith, was macht deine Geschäftsidee besonders?

Meine Firma, die FamilySafety GmbH, vertreibt stilvolle Produkte rund um das Thema Sicherheit. Die Produkte in unserem Webshop bieten Sicherheit gegen alltägliche Gefahren in allen Lebenslagen: Erste Hilfe, Brandschutz, Wassersicherheit, Sport- und Haussicherheit. Spezielle Produkte bieten wir auch für Kinder, Senioren und Haustiere. Unser Webshop zeigt, dass man in Sachen Sicherheit und Ästhetik keine Kompromisse eingehen muss. Denn ich biete formschöne Produkte an und achte auf hohe Qualität.

Was hat dich auf diese Idee gebracht?

Ich erziehe meine Kinder immer so, dass sie sich auf unerwartete Geschehen vorbereiten können. Für meinen Mann und mich war es ganz selbstverständlich, im Haus einen Feuerlöscher, Rauchmelder und ein Erste-Hilfe-Set zu haben. Von unseren Freunden dagegen hörten wir immer wieder, dass sie gar nicht wüssten, wie man solche Produkte überhaupt benutzt. Nach dem Motto: Die sehen ja hässlich aus und überhaupt uns wird schon nichts Schlimmes passieren! So habe ich angefangen, Sicherheitsprodukte zu suchen, die einfach benutzbar sind und gut aussehen.

Judith Józsa macht als Mompreneur Schweizer Haushalte sicher.

Warum hast du den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt?

Ich bin gebürtige Ungarin und vor fast fünf Jahren habe ich meinen Mann seiner Karriere wegen in die Schweiz begleitet. Doch ich sprach noch kein Deutsch, musste mich um meine Kinder kümmern und konnte keinen Teilzeitjob auf Englisch finden. Also haben mein Mann und ich entschieden, uns unseren lange gehegten Traum zu erfüllen und ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Was hast du vor der Selbstständigkeit gemacht?

Ich bin studierte Ökonomin und habe als Human Resources Managerin bei internationalen Firmen gearbeitet. In Ungarn konnte ich Teilzeit arbeiten und meine Eltern haben bei der Kinderbetreuung geholfen.

Was hat sich für dich durch die Selbstständigkeit am meisten verändert?

Bei grossen Firmen gibt es bereits Schemen, Prozesse und Routinen. In meiner eigenen Firma dagegen muss ich alles selbst herausfinden, planen und umsetzen. 

Wärst du auch ohne Kinder Unternehmerin geworden?

Ich glaube nicht. Denn durch meine Kinder brauche ich die zeitliche Flexibilität.

Muss man ein besonders mutiger Mensch sein, um sich selbständig zu machen?

Sicher. Früher konnte ich mir nicht vorstellen, Unternehmerin zu werden. Heute überwinde ich jeden Tag aufs Neue meine Grenzen.

Das Beste an der Selbstständigkeit?

Dass ich meinen Tag selbst organisieren kann. Und auch die vielfältigen Tätigkeiten, die ich jetzt lerne und in denen ich mich jetzt ausprobieren kann. Ich lerne ausserdem viele neue Leute kennen, vor allem auch andere Mompreneurs. Manchmal arbeiten wir sogar in kleinen Projekten zusammen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?

Wenn meine Familie um 8.00 Uhr aus dem Haus ist, mache ich in der Wohnung Ordnung, ziehe mich an und manchmal lege ich sogar etwas Make up auf. Dann schreibe ich schnell eine Liste, was ich an diesem Tag erledigen möchte. Dann habe ich bis 11.30 Uhr Zeit zu arbeiten und zweimal in der Woche, wenn meine Kinder im Hort zu Mittag essen, bis 15.30 Uhr. Den Nachmittag verbringe ich mit meinen Kindern, bringe sie zum Sport- und Musikunterricht und helfe ihnen mit den Hausaufgaben. 

Wie organisierst du die Kinderbetreuung?

Meine Kinder sind schon neun und elf Jahre alt. Sie gehen zweimal in der Woche zum Mittagstisch, also arbeite ich an diesen zwei Tagen länger, an den anderen Tagen nur am Vormittag. Die beiden verstehen auch, wenn ich am Nachmittag dringend ein E-Mail schreiben oder einen Anruf beantworten muss. Und abends komme ich manchmal auch ein bisschen zum Arbeiten.

Wo holst du dir Unterstützung?

Mein Mann hilft mir am meisten. Nicht nur bei der Kinderbetreuung, wenn ich am Abend oder am Wochenende zu einer Veranstaltung gehen will, sondern auch mit der Firma, mit strategischen Ideen und Lösungen oder bei technischen Problemen.

Vielleicht verrätst du uns was du an Startkapital investieren musstest?

Ich investiere ständig in die Firma. Ich muss die Produkte beim Hersteller oder bei Zwischenhändlern einkaufen, für die Lagerung, die Logistik, für Versicherungen und Werbung bezahlen.

Kannst du von deinem Unternehmen leben?

Nein, leider noch nicht.

Der Blick zurück: Was hast du gelernt, seitdem du selbständig bist? Welchen Fehler würdest du heute nicht mehr machen?

Ich versuche heute, bei der Werbung nach Leistung zu bezahlen. Wenn ich nicht weiss, wie erfolgreich eine Werbung oder Marktteilnahme werden wird, möchte ich keine Pauschale bezahlen.

Was waren für dich die grössten Hürden?

Meine grössten Hürden sind nach wie vor meine Deutschkenntnisse, und die Herausforderung, Familie und Unternehmen miteinander zu vereinbaren.

Was rätst du anderen Müttern, die darüber nachdenken, sich selbständig zu machen?

Natürlich braucht man eine realistische Vorplanung, bevor man mit der Realisation beginnt. Aber man sollte nicht zu viel planen. Die besten Ideen und Möglichkeiten kommen unterwegs. Und auch wenn man sich nicht zu hundert Prozent sicher fühlt, soll man sich vor neuen Herausforderungen nicht verstecken.

Welche Tipps und Tricks hast du gelernt, die den Alltag einer selbstständigen Mutter leichter machen?

Ich habe keine Tricks. Gute Organisation ist der Schlüssel – im Privatleben genauso wie im Geschäft.

Judiths stilsichere Lösungen rund um das Thema Sicherheit findet ihr unter familysafety.ch.

Bilder: iStock, Thinkstock // Collage femininleben/Safe-T

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