Gehen Sie Gehaltsforderungen an!

Equal Pay DayVerdienen Sie denselben Lohn wie Ihr Kollege?

«Gleiche Rechte für Mann und Frau» – dieser Verfassungsartikel steht auf dem Papier. Viele Unternehmen haben es zerknüllt und im Mülleimer deponiert: Bis heute verdienen Frauen 18,4 % weniger Lohn als Männer.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einer Gehaltsverhandlung. Ihr Vorgesetzter hat folgende Idee: Sie arbeiten in einem Team mit drei männlichen Kollegen. Sie bekommen dasselbe Gehalt wie Ihre Kollegen, aber – und jetzt kommt der Clou: Sie arbeiten den ganzen Tag, Ihre Kollegen haben bereits mittags frei. Sie würden Ihren Chef fragen: Wieso sollte ich das tun? Ihr Chef könnte antworten, dass es am Y-Chromosom liegt. Dadurch könnten Sie nicht so gut arbeiten wie Männer, sie könnten ja auch nicht so gut einparken wie Männer.  

Löhne vergleichen: Lohn-Rechner

  • Lohnrechner des Bundesamts für Statistik: Der individuelle Lohnrechner Salarium berechnet die Löhne unter Einbeziehung von Branche, Region, Qualifikation, Alter, Arbeitszeit etc. und nutzt die aktuellsten Daten der Lohnstrukturerhebung. Es können Durchschnitts-Löhne und Lohndiskrepanzen für Frauen berechnet werden.
  • Fairpay Lohn-Rechner: Der Lohnrechner des Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) Fairplay errechnet Löhne separiert nach Geschlecht.
  • Eine Linksammlung zu weiteren Lohn-Rechnern stellt die Fachstelle Gleichstellung der Stadt Zürich bereit.

Tipp: Glauben Sie nicht, weil Sie eine Frau sind, müssten Sie sich am Durchschnittlohn der Frauen orientieren!

18,4 Prozent Rabatt für Frauen

Dieses fiktive Gespräch ergibt keinen Sinn? Es entspricht aber leider der Realität. Frauen in der Schweiz verdienen im Durchschnitt 18,4 Prozent weniger als Männer. Sie müssten deshalb über 14 Monate oder ganz genau bis zum 7. März des folgenden Jahres arbeiten, um den gleichen Lohn in der Tasche zu haben wie ihre männlichen Kollegen in einem Jahr. Das ergab die Lohnstrukturerhebung 2010 des Bundesamts für Statistik (BfS). Laut einer Analyse des Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien (BASS) sind 40 % dieses Lohnunterschiedes nicht durch objektive Faktoren erklärbar und deshalb ein Indiz für Lohndiskriminierung. Frauen müssen also mehr schuften, um an denselben Lohn zu kommen: Verdienen Männer im Monat durchschnittlich 7 516 CHF, sind es bei Frauen 5 634 CHF.

Versteckte Lohn-Diskriminierung

Doch diese Diskriminierung ist Frauen oft nicht bewusst: Häufig werden sie schon beim Einstieg in den Beruf tiefer entlohnt. Zudem wird in der Schweiz ungern über das Gehalt geredet, bestätigt der Tages Anzeiger. Da Frauen häufiger Teilzeit arbeiten, ist es zudem für sie schwieriger, in höhere Positionen aufzusteigen. Doch selbst wenn sie eine Kaderstelle errungen haben, ist nichts gewonnen: Kaderfrauen verdienten 2010 durchschnittlich 29,1 % weniger als Männer.

1981 wird der Verfassungsartikel «Gleiche Rechte für Mann und Frau» beschlossen. Im dritten Satz steht: «Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit». 1996 kommt das Gleichstellungsgesetz von Mann und Frau (GlG) hinzu, dass jegliche Art von Diskriminierung verbietet. Das GlG ist das Ergebnis von Klagen und Streiks gegen die Verletzung des Verfassungsartikels. Doch auch 16 Jahre nach diesem Gesetz ist die Lohndiskriminierung bei Frauen traurige Realität.

Über 500 Klagen gegen Diskriminierung

Dabei bieten die Gesetze eigentlich eine gute Grundlage, um ihr Arbeitsrecht einzufordern. In der Schweiz wurden bisher über 558 Verfahren geführt, die auf dem Gleichstellungsgesetz oder dem Verfassungsgrundsatz der Lohngleichheit fussen. Das Projekt «Entscheide nach Gleichstellungsgesetz» des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann verzeichnet und resümiert die Verfahrensfälle in einer Online-Datenbank. Doch die Klägerinnen riskieren viel. Wegen der Lohndiskretion fehlen Ihnen oft Beweise. Darüber hinaus kann sich der Prozess über Jahre ziehen – das Betriebsklima ist in dieser Zeit oft unerträglich. Eine Alternative ist, den Job zu kündigen und rückwirkend zu klagen. Ist es im öffentlichen Dienst noch möglich, sich zusammenzuschliessen und zu klagen, müssen sich Frauen in der Privatwirtschaft häufig als Einzelkämpferinnen durchschlagen.  

Equal Pay Day: Jetzt wird abgerechnet!

Eines ist klar: Frauen, die gegen Lohndiskriminierung klagen, brauchen viel Mut, Durchhaltevermögen und Unterstützung. Ein Lichtblick im Diskriminierungsdickicht ist der jährliche Equal Pay Day Switzerland. Auf Initiative der Business and Professional Women (BPW) finden an diesem Tag landesweite Aktionen und Veranstaltungen zum Thema Lohndifferenz statt. Ziel der Initiative ist es, die Debatte über Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen in Gang zu halten, das Bewusstsein darüber zu schärfen und die Frauen zu stärken, um es eines Tages zu vollbringen: die Lohnschere in der Schweiz zu schliessen.

Der Equal Pay Day findet bewusst am 7. März statt: bis zu diesem Tag müssen Frauen arbeiten, um den Lohn zu erhalten, den ihre männlichen Kollegen schon am 31. Dezember verdient haben.

Wunsch und Wirklichkeit: Unternehmen scheuen Lohn-Transparenz

Zum Equal Pay Day 2012 plante die BPW im Rahmen des «Lohngleichheitsdialogs» rund 3000 Unternehmen in der Schweiz nach ihren Erfolgen zum Thema Lohngleichheit zu befragen. Jedoch wird es vermutlich beim ehrbaren Wunsch bleiben. Am «Lohngleichheitsdialog» den Bund und Dachverbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer seit März 2009 führen, haben sich bislang lediglich 32 Unternehmen freiwillig beteiligt. Beim Lohngleichheitsdialog überprüfen Geschäftsleitung und eine Vertretung der Arbeitnehmenden gemeinsam, ob die Löhne dem Gleichstellungsgesetz entsprechen. Die Bilanz der beteiligten Unternehmen fiel positiv aus. Die Unternehmen, die für die Lohnungleichheit von Mann und Frau verantwortlich sind, wollen keine Transparenz.  

 Weiterführende Links:

Foto: Pressebild Damages, Sony Pictures Television 

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