Mompreneur Bea Johner«Erst durch meine Kinder habe ich den Mut gehabt, etwas selbst umzusetzen.»

Bea Johner machte als Unternehmensberaterin Karriere. Dann wurde sie Mutter und entschied sich für Start-Up statt Teilzeit. Heute kümmert sie sich um 4 Kinder und 2 Unternehmen mit einer wunderbaren Idee.

Mit vier Jahren bekam Bea Johners Sohn die Diagnose ADHS. Eine öffentliche Schule werde er wahrscheinlich nie besuchen können, sagten die Ärzte. Seine Aufmerksamkeitsspanne sei zu tief.

Für Bea Johner war klar: sie würde ihren Sohn ohne Ritalin aufwachsen lassen und machte sich auf die Suche nach Fördermöglichkeiten. Schnell fand Sie heraus, dass es in Deutschland Schach für 4-Jährige im Kindergarten gibt und dass Schachspielen positive Effekte auf Aufmerksamkeit, Konzentration und sogar auf die soziale Kompetenz von Kindern haben kann. Aber in der Schweiz gab es kein Angebot für Kinder unter 8 Jahren. Bea Johners erste Geschäftsidee Chess4kids war geboren. «Plötzlich hatte ich die Vision von einem Schach-Märchenland, in dem die Kinder von bunten Kostümen inspiriert werden, wo sie selbst in die Rolle einer Figur schlüpfen und dadurch Schach mit allen Sinnen erleben können. Ich war überzeugt, dass die Kinder so auf ideale Weise vom Schach profitieren können.»

Heute führt Bea Johner die erste Kinder-Schachschule der Schweiz und nachdem ihr Sohn die Kurse besucht hat, ist sie vom positiven Effekt des Spiels überzeugter denn je. «Viele Eltern von Kindern mit ADHS erklärten mir zuerst, dass ihr Kind nicht länger als 5 Minuten stillsitzen könne. Nachdem es sich dann aber bei uns eine volle Stunde konzentrieren konnte und gar nicht mehr nach Hause gehen mochte, waren die Eltern von unserer Idee überzeugt.»

Bea Johner ist Mompreneurin und vierfache Mama.

Bea Johner erkennt, wie wichtig der direkte Kontakt zu den Eltern und Kindern ist, um ihre Geschäftsidee zu vermitteln.  Diesen Kontakt aber erst einmal herzustellen ist eine Herausforderung für kleine Firmen.

«Klassische Printmedien sind teuer und man kann in kurzen Sätzen kaum das rüberbringen, was man vermitteln möchte. Dagegen zeigte sich immer wieder, dass wenn wir unsere Arbeit persönlich zeigen konnten, die Eltern total begeistert waren.» Aber wo kann man Eltern und Kindern im direkten Kontakt erreichen?

Johner möchte diese Lücke füllen und gründet eine Begegnungsmesse für Kinderförderungen. Ihr zweites Unternehmen Kinder und Lernen bringt Eltern und Lehrpersonen direkt mit regionalen Anbietern zusammen. «Ich ging davon aus, dass andere Angebote existieren, von denen Eltern gar nichts wissen, weil die Initiatoren vor dem gleichen Problem standen wie wir zu Beginn.»
Während Bea Johner die erste Messe vorbereitet, kommt ihr viertes Kind zur Welt.

Femininleben.ch hat mit der jungen Unternehmerin und mittlerweile sechsfachen Mutter über Kinder, Karriere und den Sprung in die Selbständigkeit gesprochen.

Liebe Bea, warum hast du den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt?

Ich sah keine Möglichkeit, mit einer Nummer 2 auf dem Rücken meinem ursprünglichen Beruf nachzugehen. Da ich nur noch Teilzeit arbeiten konnte, wäre das nichts für mich gewesen. Nach meiner Promotion als Ökonomin habe ich in der Unternehmensberatung gearbeitet, danach leitete ich verschiedene Projekte im Bereich der Unternehmensoptimierung, vor allem in Asien.  Nachdem ich Mutter wurde, war ich noch kurze Zeit als selbständige Beraterin tätig. Da ich jedoch entweder schwanger oder am Stillen war und in kurzer Zeit drei  Kinder zur Welt brachte war das nicht mehr möglich. Nach meinem dritten Kind begann ich mit Chess4kids und zwei Jahren später mit Kinder und Lernen. Als Selbstständige kann ich selbstbestimmt arbeiten, auch in Nacht- und Morgenschichten, denn ich kann mir die Zeit und den Arbeitsort frei einteilen. Das wäre in der Beratung oder Projektleitung nicht möglich gewesen.

Wärst du auch ohne Kind Unternehmerin geworden?

Ich denke nicht. Erst durch meine Kinder habe ich den Mut gehabt, etwas selbst umzusetzen. In meinem früheren Beruf war die Entlöhnung ausserdem so attraktiv, dass ich den Sprung ins Ungewisse und den Aufbau ohne finanzielle Entschädigung nicht gewagt hätte.

Was hat sich für dich durch die Selbstständigkeit am meisten verändert?

Ich lebe meine Visionen aus. Ich habe oft klare Bilder vor Augen, wie die Geschäftsidee aussehen wird und dann habe ich so einen inneren Drang, diese Vision zu «gebären». Das ist dann nicht nur eine Arbeit, sondern mein «Baby», das ich von Geburt an, auf dem Weg bis zur Reife begleite. Diese innere Verbundenheit spüre ich sonst mit keiner anderen Arbeit. Aber ich muss dieses «Baby» auch immer wieder innerlich beiseite legen, damit es mich nicht zu stark beschäftigt. Schliesslich warten ja noch meine richtigen Kinder auf Aufmerksamkeit, Liebe und Betreuung.

Wie organisierst du die Kinderbetreuung?

Ich habe meistens ein Au Pair, das mir hilft. Und da ich die meiste Arbeit von zuhause erledigen kann, kann ich auch zwischendurch oder morgens und nachts arbeiten. Wobei dadurch manchmal der Schlaf zu kurz kommt ;-)

Wo holst du dir Unterstützung?

Ich treffe mich mit anderen Jungunternehmern, die in ähnlichen oder auch anderen Bereichen etwas aufgebaut haben. Wir tauschen uns über Möglichkeiten der Werbung aus, besprechen neue Geschäftsideen oder Personalfragen. Dieser Austausch ist sehr wichtig, um auf dem Laufenden zu bleiben und mit Geschäft und Kindern nicht zu vereinsamen.

Kannst du von deinem Unternehmen leben?

Nein, das kann ich leider nicht, aber vielleicht irgendwann einmal.

Der Blick zurück: Was hast du gelernt, seitdem du selbständig bist? Welchen Fehler würdest du heute nicht mehr machen?

Ich würde nicht mehr mit Gottvertrauen und ohne anwaltlich überprüfte Arbeitsverträge arbeiten.

Was rätst du anderen Müttern, die darüber nachdenken, sich selbständig zu machen?

Machen!!! Etwas Eigenes aufzubauen, das man selbst bestimmen und lenken kann, gibt neben allem Stress und aller Unsicherheit so viel positive Energie! Häufig leben auch die Kinder die Idee mit, da sie das Geschäft viel näher miterleben, als wenn man morgens aus dem Haus geht und am Abend wieder nach Hause kommt.

Welche Tricks hast du gelernt, die den Alltag einer selbstständigen Mutter leichter machen?

Nicht alle Geschäftsprobleme so nah an sich ran zu lassen. Es lässt sich alles lösen und meistens sind die Probleme nicht so gross, wie sie am Anfang aussehen.

Bea Johners Kinderschachschule finden Sie unter chess4kids.ch und für Informationen zur Begegnungsmesse für Kinderförderung besuchen Sie kinderundlernen.ch.

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