Es fehlen Fachkräfte und Mütter finden keine Arbeit. Ein Stellenportal nur für Mütter will das ändern.

GENUG MAMA?Diese Jobs sind nur für Mütter!

Der Spagat zwischen Kind und Karriere ist keine leichte Übung. Oft fehlt aber nicht den Müttern die nötige Flexibilität, sondern den Unternehmen. Das neue Stellenportal jobsfürmama.ch will das jetzt ändern. Wie, verrät Geschäftsführerin Jill Altenburger im Interview.

Herzlichen Glückwunsch zum Launch Ihres Stellenportals! Welche Reaktionen haben Sie bisher erhalten?

Nach der offiziellen Bekanntgabe von jobsfürmama.ch am vergangenen Donnerstagvormittag hatten wir viele Registrierungen, vor allem von Müttern. Dies zeigt uns, dass in der Schweiz in der Tat Handlungsbedarf besteht.

Sie sagen, jobsfürmama.ch ist aus einer Notsituation entstanden. Welche Erfahrungen haben Sie nach Ihrer Mutterschaft auf dem Arbeitsmarkt gemacht?

Es war sehr schwierig eine spannende Teilzeitstelle zu finden, die auf der Karriereleiter nicht einen Schritt zurück bedeutet hätte. Ich habe eine gute Ausbildung und bis jetzt immer gute Jobs. Wieso sollte ich meine Anforderungen zurückschrauben, weil ich Mama geworden bin? Meine Fähigkeiten sind doch dieselben. Nur meine Zeit müsste ich eben ein bisschen flexibler einteilen können.

Gab es einen Moment X, wo Sie sich gesagt haben, so jetzt reicht es, jetzt nehmen wir die Sache selbst in die Hand?

Das wäre etwas übertrieben. Die Idee entstand nicht über Nacht, sondern hat sich über eine längere Zeitspanne hinweg entwickelt. Am Anfang war es nur eine vage Idee, über welche wir mit diversen Firmen und Mütter gesprochen haben. Danach haben wir angefangen Statistiken auszuwerten und diverse Studien und Artikel durchzulesen und so nahm unsere Job-Plattform langsam Gestalt an.

So wie Sie treibt es immer mehr gut ausgebildete Mütter aus Mangel an interessanten Jobangeboten in die Selbständigkeit («Mompreneurs»). Müssen Jobs für Mütter erst geschaffen werden?

Nein, das denke ich nicht. Es gibt zahlreiche Jobs, die in Teilzeitpensen, durch Job-Sharing oder mit reduzierter Anwesenheitspflicht im Büro erledigt werden könnten. Aber ein Umdenken vieler Unternehmen ist hier sicherlich gefragt. Es gibt heute mehr Frauen als Männer in der Schweiz mit einem Universitätsabschluss. Firmen können es sich in Zeiten des Fachkräftemangels langfristig gar nicht leisten auf die Ressource Mama zu verzichten. Zudem gibt es immer mehr Mitarbeiter, die nach flexiblen Arbeitszeiten fragen. Nicht nur Mütter, sondern beispielsweise auch Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Eltern.

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Das Problem liegt auf der Hand. Firmen brauchen Fachkräfte, Mütter flexible Jobangebote. Warum geht das so zäh voran? Traut man Müttern weniger zu?

Dies ist leider noch immer häufig der Fall. Mütter werden oft als Risiko-Mitarbeiterinnen gesehen. Sie gelten als ausfallgefährdet, häufig gestresst und nicht voll präsent. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Dies wurde anhand diverser Studien belegt. Eine Mutter, die arbeiten möchte, ist top motiviert, sehr effizient, da sie sich ihre Zeit genau einteilen muss und keine Zeit hat für stundenlange Meetings und Diskussionen. Sie ist teamfähig, verantwortungsbewusst und oft ein wahres Organisationstalent. Es gibt sogar Studien, die besagen, dass Mütter in Teilzeit in fünf bis sechs Stunden die gleiche Arbeitsleistung erbringen wie Ihre Kollegen und Kolleginnen in Vollzeit.

Leider wird das nur selten gesagt. Trauen Mütter auch sich selbst zu wenig zu?

Das ist definitiv der Fall! Wir Frauen sollten im Allgemeinen etwas selbstsicherer auftreten und uns nicht unter unserem Wert verkaufen.

Oft wird beklagt, dass Teilzeit zwar eine gute Lösung ist, Job und Familie zu vereinbaren, jedoch gleichzeitig eine Karriere-Sackgasse für Frauen sei.

Mit Minipensen wird es sicherlich schwer verantwortungsvolle Aufgaben zu erledigen. Bei höheren Pensen sollte dies schon eher möglich sein. Dies hängt aber sicherlich immer von der Tätigkeit und der Position ab, d.h. in einigen Branchen und Positionen ist eine Teilzeitbeschäftigung besser umsetzbar als in anderen. Zudem ist es wahrscheinlich, dass mittel- bis langfristig das System Job-Sharing auf dem Schweizer Arbeitsmarkt an Bedeutung gewinnt.

Sind Führungspositionen in flexiblen Arbeitsmodellen wie Teilzeit oder projektbezogene Arbeit denn möglich?

Diverse Führungskräfte in hohen Positionen sind zusätzlich zu ihrer Haupttätigkeit in Verwaltungsräten und setzen sich für Organisationen und Stiftungen ein oder gehen während der Arbeit zeitintensiven sozialen Aktivitäten nach. In dieser Zeit sitzen sie nicht am Schreibtisch von ihrem Hauptarbeitgeber. Dies kommt doch quasi einer Teilzeitarbeit auf höchster Führungsstufe gleich. 

Bereits jetzt arbeiten 61 Prozent der Mütter in Teilzeit, während nur 12 Prozent der Väter in Teilzeit gehen. Wäre es nicht an der Zeit die Männer stärker an der Familienarbeit zu beteiligen?

Diese Aussage ist sicherlich korrekt. Väter können aber meist nur dann ihr Arbeitspensum reduzieren, wenn Mütter auch etwas zum Familieneinkommen beitragen. Solange 30 Prozent der Mütter nach der Geburt ihrer Kinder in der Schweiz zu Hause bleiben oder Tätigkeiten nachgehen, die nicht ihrer Qualifikation und Ausbildung entsprechen, wird dies schwierig umzusetzen.

jobsfürmama.ch konzentriert sich auf gut ausgebildete Mütter, die qualifizierte Stellen in Teilzeit oder Projektarbeit suchen. Welche Jobs werden Mütter hier deshalb nicht finden?

Es handelt sich nicht ausschliesslich um Teilzeitjobs und projektbedingte Anstellungen, sondern auch allgemein um Jobs, bei denen die Leistung wichtiger ist als die ständige Präsenzpflicht im Büro, d.h. um Jobs, wo sich die Angestellte ihre Zeit bis zu einem gewissen Grade selbst einteilen kann. Es ist aber schon so, dass wir vorwiegend Jobs für qualifizierte Fachkräfte ausschreiben.

Beim Durchstöbern Ihrer Stellenausschreibungen bin ich auch auf 100 Prozent Stellen gestossen. Wie schaut es hier mit der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus?

Es gibt sicherlich auch einige Mamas die 100 Prozent arbeiten möchten, können oder müssen. Besonders wenn die Kinder älter werden, bietet sich die Möglichkeit das Arbeitspensum zu erhöhen. Ausserdem sei in diesem Zusammenhang festgestellt, dass Angestellte - und somit auch Mütter - sich grundsätzlich auch eine 100-Prozent-Stelle zeitlich flexibel einteilen können.

Wie wäre es mit jobsfüreltern.ch?

Das ist auch eine nette Idee. Wir stossen niemanden von der Kante, d.h. selbstverständlich können sich auch Papas bei uns registrieren. Wir wollten uns aber auf die Nische Mütter konzentrieren, weil wir uns mit diesem Segment am besten identifizieren können und denken, dass hier nach wie vor Handlungsbedarf besteht.

Interview: Nathalie Riffard, 01.04.2013

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