Hochzeitswahnsinn: Warum sich Hochzeiten übertrumpfen müssen?

BRIDEZILLASDeine Hochzeit ist schön, meine besser

Der schönste Tag im Leben einer Frau muss vor allem eines sein: Besser als der der anderen. Hochzeiten übertrumpfen sich gegenseitig. Aber warum bleibt kurze Zeit später die Liebe auf der Strecke? Unsere Autorin Linda Freutel fragt sich: Ist alles doch nur Show?

Es war eine Traumhochzeit, wie selbst Linda de Mol sie nicht besser hätte inszenieren können. Mit einer perfekt gestylten Braut im paillettenbestickten Prinzessinnenkleid und prachtvoller Kutsche, fliegenden Tauben, roten Rosen, gefühlsschweren Liebesschwüren und einer dramatischen Choreografie schmalzig schmachtender Blicke zwischen den frisch Vermählten. Über die hochglänzenden Unterarmhandschuhe und das überrüschte Sonnenschirmchen der Braut kann man zwar streiten, die Gästeschar war jedoch kritiklos hingerissen. Sie weinten, klatschten und heuchelten dem Brautpaar folgsam ihre Neidbekundungen ob dieser filmreifen Liebe. Sogar Wettergott Petrus liess sich zu dem gefühlsduseligen Mitmachtheater hinreissen und tünchte den Sonnenuntergang in das romantischste Blutrot, was Mutter Natur an diesem lauen Sommerabend zu bieten hatte. Was für eine Operette, Hochzeitswahnsinn vom Feinsten! Was übrigens nachträglich auch von Nicht-Gästen Facebook bewundert werden kann. Ein schönes Paar, schöne Bilder und ein noch schönerer Schein. Perfekt inszeniert. Aber mehr eben auch nicht.

Ehe-Aus trotz Hochzeitswahnsinn

Der traurige Abspann dieser gigantischen Liebesshow von Kerstin und Markus fiel deutlich unspektakulärer aus. «Sie sind nicht mehr zusammen», tratsche eine enge Freundin der Braut, die ich zufällig im Supermarkt traf. Schluss. Aus. Ende. The Show is over. Und das nur vier Monate nach der Traumhochzeit mit Feuerwerk. Nein, nicht alles, was im Internet steht stimmt auch. Aber das hier ist die Wahrheit. Die inszenierte Hochzeit von Kerstin und Markus entpuppte sich als Märchen. Eine gespielte Szenerie vom schönsten Tag im Leben und der grossen Liebe, Märchenprinzen und weissen Schimmel, hochkarätigen Ringen und noch wertvolleren Gefühlen. Eine Geschichte, die wir aus Hollywood kennen und alle irgendwie lieben. Vielleicht gerade weil es eine Geschichte ist.

Im echten Leben lassen die Traumprinzen nämlich ziemlich lange auf sich warten. Märchenhochzeiten sind selten. Und damit umso begehrter. Daher ist es wohl auch ein recht nahe liegender und durchaus nicht unlegitimer Gedanke, dem Glück ein wenig auf die Sprünge helfen zu wollen, oder? Selbst ist schliesslich die Frau. Und zur Not gibt es auch genug Weddingplaner, die bereitwillig helfen, wenn es darum geht, Liebesgott Amor auf die grosse Bühne des realen Lebens zu zerren. Liebe ist längst kein Zufall mehr, sondern ein Produkt. Traumhochzeiten kann man kaufen. Oder jedenfalls das Kostüm dafür. Kein Wunder also, dass in den letzen Jahren ein immer grösser werdender Flashmob von Traumhochzeiten durchs Land zieht. Erst war es nur die USA, inzwischen steckt auch die Schweiz im Vermählungsfieber der Superlative. Höher, schneller, weiter. Hochzeitspaare übertrumpfen sich gegenseitig. Was die meisten dabei nicht wissen: Oft endet das grosse Liebestheater in einem noch grösseren Desaster. Jedenfalls sprechen die landesweit hohen Scheidungsraten für diese Annahme.

Liebesshow und grosse Gefühle

Neben der persönlich empfundenen Fragwürdigkeit, berechtigen wohl vor allem solche Scheidungsstatistiken zu fragen, wie sinnvoll diese neumodische Eheschliessungs-Exzentrik wirklich ist. Muss denn Liebe immer so laut sein? Was ist aus dem Glauben geworden, dass grosse Liebe im Kleinen stattfindet. Und da die intimste Bindung zweier Menschen nicht hundert Facebook-User, sondern nur diese beiden Personen etwas angeht? Seit wann muss Liebe nach Aussen strahlen und hat aufgehört von Innen zu wärmen? Wer wünscht sich denn wirklich eine solche Liebe aus dem Katalog? Sind es nicht doch noch immer eher die unkommerziellen, aufrichtigen Gefühle, nach denen wir suchen? Die, die so leise, selten und damit so wertvoll sind?

Sicherlich ist auch genau deshalb eine neue Gegenbewegung von Brautpaaren zu beobachten, die ihren Hochzeitsschampus krampfhaft ungezwungenen aus Pappbechern schlürfen und sich Plastikringe aus dem Kaugummiautomaten an den Finger stecken, um dem lächerlich extrovertierten Hochzeitswahnsinn der Konkurrenz den mahnenden Spiegel vorzuhalten. Natürlich niemals ohne dabei zu vergessen, die Hochzeitsbilder dem Rest der Welt unter die Nase zu twittern. Denn unterm Strich geht es auch hier um die Show. Ob mit subtiler Understatement-Romantik oder dem ganz grossen Hochzeits-Protz: Irgendwie scheint die grosse Liebe sich selbst gegenüber untreu zu werden.

Exzentrik bis dass der Tod uns scheidet

Dennoch will keiner seinen gezeichneten Traum von Liebe und Glück, bis das der Tod uns scheidet, wirklich aufgeben. Im Gegenteil: Weddingplaner sind über Jahre hinweg ausgebucht, Hochzeitsmessen so gut besucht wie noch nie. Wann ist es aber an der Zeit inne zu halten? Sich nach dem tieferen Sinn von Liebe und Heirat zu fragen. Oder stellt sich diese Gedankenschwere vielleicht zwangsläufig ein, wenn das Scheinwerferlicht plötzlich aus ist? Denn wenn niemand mehr zusieht, fällt die Darbietung des perfekten Paares meist schon schwerer. Jetzt, da die eigentliche Ehe beginnt, können Situationen auftreten, die komplizierter zu lösen sind, als die Auswahl der Einladungskarten. Egal wie spektakulär der Startschuss war, echte Schussfestigkeit beweisen Paare erst wenn der Vorhang fällt. Aber auch diese Erkenntnis ist wie das Eheversprechen selbst: Eine Angelegenheit, die zwei Liebende untereinander klären müssen. Stören wir sie also lieber nicht mit unwissenden Lästereien, oder?

Text: Linda Freutel

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