Ich vs. Ego: «The September Issue»

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Die Septemberausgaben der Fashion Magazine bieten die tollsten Ego-Shows: Lagerfeld gibt sein Bestes als Coco Chanel. Dior wird neu interpretiert von Raf Simons. Und Jil Sander ist jetzt wieder Jil Sander.

Hinter Bob und Brille versteckt sich die gefürchteste aller Modekritikerinnen: US-Vogue Chefin Anna Wintour

Vogue-Chefin Anna Wintour liess nur Filmemacher R.J Cutler in seiner preisgekrönten Doku «The September Issue» hinter ihre dunkle Brille blicken. Foto: PR

Sie vermuten richtig: Ich blättere nicht in Hochglanz-Magazinen, um mir zum siebten Mal einen Faltenrock in Rostrot vorführen zu lassen. Nein, ich schaue auf die Seelenkostüme der tapferen Schneiderlein und versuche von den Ego-Patchworks der Modeindustrie einen roten Faden zu ergattern, um meine Identität zu pimpen.

Zum Beispiel Coco Chanel, eine Goddess. Ihr Ausnahmetalent adelte kleine Jäckchen, unechte Perlen und Matelassé-Taschen zu Klassikern der Moderne. Dank Karl Lagerfeld ist ihr Name Superlabel und Cash-Maschine in einem geworden. Sein Ego dient ihrem Ich nahtlos. Denn obwohl er schwarz-weiss fotografiert, an der dicken Adèle herumkrittelt und seine neueste Muse anschmachtet, der beste Lagerfeld ist Chanel. Hélas: Ich nenne dieses Lebensmodell Super Alter Ego.

Dann war einmal ein Modetraum, der kam von Christian Dior und irgendwie kann man ihn fleissig seit Jahrzehnten weiterklonen. Yves Saint Laurent war der erste Designer bei Dior nach Dior. Ralf Simons ist der bisher letzte Erbe. Die Dior-Vasallen spielen nach einem bekannten Drehbuch: Sie lernen ihre Dior-Lektion und treten dann ab zur garantierten After-Dior-Karriere-Party, die unter eigenem Namen weiterläuft. Dieses Lebensmodell taufe ich: Me too Extravaganza.

Bei Jil Sander ist die Sache etwas komplizierter. Jil Sander war eine deutsche Senkrechtstarterin. Unvergessen ihre crèmeweissen Strukturen und ihr Name in Fettdruck auf schneeweissen Keramik-Flakons in den 80igern. Leider hat Jil Sander die Marke Jil Sander verkauft. Dann wollte sie ein Comeback bei Jil Sander versuchen, das hat sie geschafft. Als ihre eigene Nachfolgerin bei Jil Sander feiert Jil Sander gerade Triumphe. Das Lebensmodell trägt den Namen: Me, myself and I.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin Italienerin und der Mode verfallen. Miuccia Prada ist meine Seelenverwandte und ich kann wie sie mit einem Kleid meiner Mutter aus den 50igern das Glück in Händen halten. Aber in dieser Lebensphase werfe ich das Auge liebend gerne auf die Lebensmodelle der Macher und nicht auf die Mode an den Models.

Das Lebensmodell Super Alter Ego bewundere ich sehr: Nur das Beste ist gut genug. Elite, Crème de la Crème, Elfenbeinturm und so weiter. Nur vom Besten. Man stelle alle Talente, die man zur Verfügung hat einem einzigen Zweck, dem Vielversprechendsten zur Verfügung, ohne Wenn und Aber. Dieses Modell war noch nie mein Geschmack, aber es entwickelt diskreten Charme durch die Stilelemente Sicherheit, Unangreifbarkeit, Wertsteigerung. Und Money, Money, Money. Vielleicht etwas für diesen Winter.

Das Lebensmodell Me too Extravaganza trage ich schon einige Saisons. Ich bin lange zu Höchstform für andere aufgelaufen: Arbeitgeber, Auftraggeber, Partner, Kinder, Freunde. Und bin jetzt reif für das Dior-Drehbuch danach: Unter meinem Namen etwas auf die Beine stellen und über den Laufsteg tänzeln lassen. Applaus.

Das Modell Me, myself and I ist schön für Jil Sander und für alle anderen, die nach einer Lebenskrise entdecken, dass sie im Grunde alles richtig gemacht haben: Zurück zum Start mit verbessertem Glücksgefühl. Das trage ich auch gerne mit mir rum, nur ist es nichts Neues.

Ich glaube, mein Herz schlägt am höchsten für Wunderkind von Joop. Joop hat Joop verkauft und sich einer neuen Herzensmarke verschrieben, mit Namen Wunderkind. Fulminanter Start, dann zwei Saisons Sendepause und jetzt wieder Drama vom Feinsten. Ja, das passt zu mir.

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Malafemmina

Steckbrief  Malafemmina

Steckbrief Malafemmina, Kolumnistin femininlebenMalafemmina ist eine blutjunge Seele in einem 49 Jahresringe zählenden Körper, die denkt, dass Denken völlig überbewertet ist.

Vita: Werbetexterin/Konzepterin, Kolumnistin, Dozentin, Coach, Mutter, Napoletanische Seconda, Selbständige Unternehmerin, Möchtegern-Autorin, Ex-Raucherin, Geschieden, Schrebergärtnerin

Soulmates: Carrie und Co., Elizabeth Gilbert J.K. Rowling, Miuccia Prada, Jane Campion, Tilda Swinton, Scarlett O’Hara, Vivienne Westwood, Anna Wintour, Diane Keaton, Angelina Jolie, Judy Dench, Stephenie Meier, Milena Moser, Miss Friday,?Sigmund Freud, Friedeman Schulz von Thun, Vasco Rossi

Lieblingsdroge: Humor ist ihr Prozac

Lieblingslinks: Huffingtonpost.com, Fem.com, Michaellutin.com, facebook.com, Ted.com

 


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