Margiela for H&M: Dekonstruktives Design von der Stange

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H&M machts diesmal mit Maison Martin Margiela. Wir müssen uns zwar noch knapp einen Monat gedulden, aber einen Vorgeschmack bekommen wir schon jetzt! Lookbook und Kampagne sind da und wir dürfen uns auf modischen Dekonstruktivismus freuen, der in den dekorativen Mainstream will.

Nach Karl Lagerfeld, Stella McCartney, Matthew Williamson und zuletzt Anna dello Russo hat sich H&M den nächsten Modegiganten geangelt. Mit dem französischen Label Maison Martin Margiela versucht die schwedische Modekette jetzt eine neue Dimension der königlichen Kooperationen zu erreichen. Mit Margiela, einem visionär-avantgardistischem Modehaus mit hohem Qualitätsanspruch, will man gegensätzliche Welten zusammenbringen. Im Blog-Universum war die Kollektion mit Skepsis erwartet worden: Kann H&M den künstlerischen Forderungen Margielas gerecht werden und dennoch die breite Masse ansprechen? Kampagne und Lookbook sind nun da und auf den ersten Blick wird klar: Margiela hat nichts von seinen dekonstruktiven Ansätzen eingebüsst. Obs die Masse letztendlich mag, wird sich herausstellen.

Martin Margiela, belgischer Designer und Gründer des Labels, schuf mit Maison Martin Margiela eine exzentrische Kunstwelt, in der die Mode stets den Dreh- und Angelpunkt bildet. Sie ist Ausgangspunkt und Endprodukt zugleich. Der Dekonstruktivist Margiela begann in den späten 80ern mit bereits existenten Kleidungsstücken zu experimentieren, diese auseinanderzunehmen und wieder neu zusammenzusetzen. Weder der Designer selbst, noch die Models, die seine Entwürfe zeigten, waren von Wichtigkeit und die Gesichter somit meist zensiert, nichts sollte von der Kunst ablenken. Seine Schauen fanden dementsprechend stets an unkonventionellen Orten wie Baustellen oder Metro-Stationen statt.

All das ist in der aktuellen Zusammenarbeit spürbar. Fotografiert wurde die Kampagne in den Strassen von Paris. Die englische Künstlerin Sam Taylor-Johnson beschränkte sich auf minimalistische urbane Kulissen. Im Lookbook stossen wir dann auch auf die typische Margiela-Signatur: cleane Schnitte, aber voluminöse Silhouetten, dezente Farben und natürlich das Recycling-Prinzip. Aus einem Handschuh wird eine Tasche. Im «deconstruction dress» ist deutlich die Kontur des Originalkleides zu erkennen. Wir bekommen viel Oversize, viel asymmetrische Drapierung und Extravaganz trotz schlichter Farbgebung. Und das alles für wenig Geld in Relation zu dem eigentlichen Preissegment, in dem Margiela sich bewegt. Die Kollektion ist durchaus tragbar. Weniger Modewütige und –mutige sollten sich vielleicht auf einzelne Teile beschränken, denn der Total-Look ist unter Umständen durchaus nicht jedermanns Sache. Und nicht jedem steht der übergrosse Boyfriend-Look von Kopf bis Fuss. Aber entscheiden Sie selbst und gönnen Sie sich ab dem 15. November ein bisschen Kunst am Leibe!

Text: Linda Leitner


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