Seit der Geburt schleppt Jessica Simpson nicht nur ihre Tochter Maxwell umher, sondern rund 50 Schwangerschaftspfunde. Durch einen Millionen-Deal mit Weight-Watchers verwandelt sie ihr Fett allerdings in Gold. Die echten Weight Watchers nehmen aber nicht ab, sondern feiern jedes einzelne, nicht abgenommene Kilo.
Früher zierte Jessica Simpson mit ihrem gestählten Körper und den sagenhaften Kurven die Cover sämtlicher Männermagazine. Foto: Sony BMG
In den späten 90ern galt Jessica Simpson als Britney Spears mit grösserem Stimmvolumen und grösseren Brüsten. Als wahrgewordener Männertraum schrubbte sie in ihrem berühmtesten Musikvideo im pinken Bikini ein Auto und machte sich nass. Die Strategie ging auf: sie vermarktete sich perfekt, lancierte zusätzlich eine Modelinie, wurde erfolgreich und wohlhabend. Doch die Singerei warf wohl zu wenig Scheinwerferlicht. Zusammen mit ihrem Mann Nick Lachey zelebrierte sie 2003 in der MTV-Reality-Show «Newlyweds« öffentlich ihre Liebe in Jogginghosen und mit Verdauungsproblemen - und lud ganz Amerika in ihre Intimsphäre ein.
Nach der Scheidung, einigen Schauspielversuchen, einem Country-Album und mehreren kleinen Hits in Amerika, blieb sie dem Fernsehen treu und drehte seither TV-Formate wie «The Price of Beauty«, das vom immensen Druck, schön zu sein, erzählt. Seit Mai ist sie nun Mutter und – laut öffentlicher Meinung - fett. Das amerikanische Internetportal jezebel.com hat seit der Entbindung im Mai die Headlines über Jessica Simpson gezählt, die zu 99% allein ihr Gewicht thematisierten: es waren schockierende 109. Kein Wort über ihren Beruf, ihre Filme, ihre Modelinie. Ist sie selber schuld? Jein.
Das Publikum als The Real Weight Watchers
Denn anstatt unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Gewicht zu arbeiten, um in Heidi Klum-Manier innerhalb weniger Wochen plötzlich stolz und gertenschlank auf dem roten Teppich zu erscheinen, rührt Jessica Simpson selbst die Werbetrommel wie kalorienreichen Kuchenteig.
Im TV-Spot für Weight Watchers bekommt der Zuschauer keine Ganzkörperaufnahme von Jessica zu sehen, da es in der Kampagne nicht um Gewicht, sondern um die Gesinnung von Weight Watchers gehen solle, sagt sie. Aha.
Vier Wochen nach der Geburt ihrer Tochter schloss sie mit dem Diät-Riesen Weight Watchers einen 4 Millionen-Werbedeal, der Jessica Simpson und ihren Körper ziemlich unter Druck setzt: bis Ende des Jahres soll sie ihr Idealgewicht erreicht und 25kg abgenommen haben. Doch das fällt ihr sichtlich schwer. Und die Welt schaut zu und lacht. Aber warum? Ist es Voyeurismus? Oder Schadenfreude? In der körperbesessenen Kultur, in der wir unersättlich Bilderstrecken namens «Celebrities hottest beach body» verschlingen, ist dies nicht verwunderlich. Wir eifern dem perfekten Körperbild nach, scheitern zwangsläufig und freuen uns riesig, wenn die schöne Mischa Barton mit auch mit Cellulite kämpft.
Denn der Schönheitswahn macht die scheinbar Perfekten wegen ihrer «Makel» menschlich. Selbst die Besten kann es erwischen und so freuen wir uns über jedes Gramm zuviel, dass Jessica Simpson mit sich herumschleppt. Schliesslich machen wir Frauen nichts lieber, als uns mit anderen zu Vergleichen. Doch mit welchem Resultat: Wer kurz nach der Geburt nicht wie ein Victoria`s Secret-Model aussieht, muss sich nun offenbar schämen.
Das Jessica-Simpson Phänomen hat sich unsere Redakteurin Linda Freutel zum Anlass genommen über Modelmassstäbe und Mütter-Figuren nachzudenken. Lesen Sie hier: Abnehmen nach der Schwangerschaft: Model-Mütter setzen falsche Massstäbe
Text: Linda Leitner, 12.09.2012
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