Kindermodels erfüllen im wahrsten Sinne des Wortes das «Kindchen-Schema». Als Lolitas auf Laufstegen oder Kindfrauen in der Vogue sollen sie durch den inszenierten Tabubruch unsere Blicke provozieren. Mode sei Kunst meinen die Befürworter. Doch auch in gewöhnlichen Kinderkleiderschränken lauert der heimliche Sexappeal. Wir blicken auf Grauzonen der Kindermodewelt.
Kindermodels spielen mit der Erotik, welcher sie sich noch gar nicht bewusst sind. Foto: istockphoto
Das Kindermodelbusiness kann grenzwertig sein. Im Namen der Mode, der Kunst und der Verkaufszahlen verlangen Designer immer häufiger nach «Lolitas» – so heissen Kindermodels, die einen sowohl kindlichen als auch reifen Look präsentieren. Kindermodels führen sinnliche Lingerie auf Designerwebsites vor oder tragen aufreizende Highheels für Modezeitschriften. Das Gegenspiel von Unschuld und Erotik ist dabei nicht nur eine wohl allzu verfrühte Konfrontation der Mini-Models mit Sexualität und Schönheitsdruck, auch die pädophile Note spielt dabei unweigerlich immer mit.
Wenn Kindermode schlank und sexy macht
Kindermodels an sich müssen nichts Negatives sein. Fotografen, die Kinder für eine neue Spielzeuglinie auf dem Spielplatz fotografieren, brechen keine Moral. Sie lichten Kinder in einer Situation ab, die einem kindlichen Kontext entspricht. Fotografen, die Kinder in Kinderkleidung abbilden, machen in der Regel auch nichts falsch. Bedenklich wird es, wenn Kindermode mit den sexuellen Reizen und Signalen der Erwachsenwelt spielt. Stöckelschuhe für Sechsjährige und Spitzen-Dessous für Achtjährige bilden die Paradebeispiele der neuen Designermode für Kids. Doch mit der nur für Wohlhabende erschwinglichen Kindermode ist es nicht getan. Die Psychologin Sara Murnen vom Kenyon Kollege in Ohio (USA) untersuchte mehr als 5000 Kleidungsstücke für Mädchen und kam zu dem Schluss: Ein Grossteil der Kleidungsstücke betont Körperteile, die als weiblich und sinnlich gelten. So zum Beispiel eine Jeans mit hoch angesetzten Taschen, die den Po betont. Oder ein tiefer Ausschnitt mit Spitzenrand. Psychologen wie Murnen kritisieren, das figurbetonte Kindermode bereits Grundschüler unter Druck setze, schlank und sexy sein zu müssen. Auch die Studie «Bailey Review» in Grossbritannien zeigte, dass die Kindheit von der Modeindustrie zunehmend sexualisiert wird.
In Hollywood in den Kindergarten
Unter Stars ist die Sexualisierung der Kindheit schon längst Gang und Gebe. So sorgte beispielsweise das Musikvideo «Whip My Hair» von Will Smiths 11-jähriger Tochter Willow für starke Kritik. Zu Lyrics wie «I whip my hair back and forth … I whip it real hard» schwingt Willow ihren langen Haarzopf durch den Raum, während bunte Farbe davon wegspritzt. Das vermeintlich kindlich-freche Video ist gespickt mit Erotikelementen.
Grenzwertig: Sexy Kindermodels sind en vogue
Immer wieder versuchen Medien, Designer und Fotografen, Kindermodels als Lolitas für provokative Marketingzwecke einzusetzen. Für einen weltweiten Aufreger sorgte letzten Sommer die Augustausgabe der französische Vogue. Für eine Fotostrecke wurde das zehnjährigen Kindermodel Thylane Blondeau stark geschminkt, mit goldenen Stilettos und Decolletée bis zum Bauch auf Leopardenbettwäsche in Verführungspose gesetzt. Auch als die 14-jährige Schauspielerin Hailee Steinfeld das neue Face von Miu Miu wurde oder als ihre 13-jährige Kollegin Elle Fanning die Kampagne von Marc by Marc Jacobs verzierte, hagelte es Kritik. «Kiddy Sex Sells»: Auch auf dem Catwalk lassen Kindermodels die Kassen klingeln. Auf Kindermodemessen wie «Pitti Bimbo» in Florenz flanieren Kleinkinder in Designermode über den Laufsteg.
Ex-Supermodel und Dreifach-Mama Nadja Auermann spricht insofern in einem Interview mit der BILD vielen Eltern aus der Seele. Ihrer Meinung nach sollte es nicht nur Gesetze gegen Magermodels geben, wie es bei den Mailänder Modewochen der Fall ist. Auch Kindermodels, die pädophiles Schönheitsideael pflegen, sollten verboten werden. Die Gesellschaft könne nicht, so Auermann, gegen Pädophile schreien und gleichzeitig Kinder als Sexobjekte promoten. Ging es den Designern früher noch darum, ein erotisches Bild der Frau zu erschaffen, sexualisieren sie heute kleine Mädchen. Im Unterschied zu erwachsenen Models können sie jedoch die Folgen nicht absehen. In diesem Alter sind sich Mädchen nicht bewusst, was für Signale sie senden, wenn sie sexy gekleidet werden oder verführerische Augenaufschlag imitieren.
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