Die Pariser Fashion Week lud zum Debüt-Duell der Giganten. Während Raf Simons für Dior hymnische Loblieder hörte, erntete Hedi Slimane für YSL niederschmetternde Kritik. Steigen Sie mit uns in den Ring und wir zeigen Ihnen, wie auch Sie «very Dior» oder «very YSL» sein können.
Die Konkurrenz zwischen den Modehäusern Dior und Yves Saint Laurent liegt tief in der Vergangenheit begraben. Christian Dior verstarb sehr früh. Sein Vermächtnis übernahm sein junger Assistent Yves Saint Laurent, den man jedoch trotz Erfolg schnell wieder entliess. Dieser schuf daraufhin sein eigenes Imperium. Bis heute hat die zweifelhafte und rivalisierende Verbindung der beiden Modegiganten nicht an Leidenschaft verloren. Im Gegenteil: Das Label Yves Saint Laurent holte sich jüngst Hedi Slimane, der seine allererste Damen-Kollektion entwarf, nachdem er jahrelang mit Dior in der Männerwelt den zugegeben düsteren Ton angegeben hatte. Schliesslich isst King Karl Lagerfeld heute nur deswegen nur noch sehr wenig, weil er damals in Slimanes Anzüge passen wollte. Dior schickte Raf Simons, den ehemaligen Kreativdirektor von Jil Sander in den Ring des Pariser Fashion-Zirkus. Die Fashion Week in Paris neigte sich also in diesem Jahr ihrem Ende zu und wartete mit einem spannungsreichen Showdown auf: Sowohl Dior als auch YSL debütierten mit neuen Designern und für beide galt es jetzt, das Erbgut des jeweiligen Labels beizubehalten und dennoch Innovation zu schaffen. Und vor allem die sensationshungrige Mode-Meute zu begeistern.
Glanzvolle Innovation vs. Retro-Chic
Raf Simons legte vor. Er lud in ein schneeweisses Zelt nahe dem Invalidendom und eröffnete die Show mit einer «Le Smoking»-Neuerfindung, der Signatur Diors, einem Hosenanzug für Damen, mit dem Christian Dior 1967 die Weiblichkeit revolutioniert hatte. Das Hauptaugenmerk lag auf einer modernen Interpretation Diors berühmter Bar-Jacke und der Weiterentwicklung derer zu «Tuxedo-Dresses». Nie verlor Simons den Respekt vor typischen YSL-Formen wie der A-Linie und zuletzt gelang es ihm durch schimmernde Lichteffekte die maskuline Strenge aufzubrechen. Die gespannten Moderedakteure in den Front Rows applaudierten zufrieden und lobten den modernen Dior nach seiner Show in den Himmel.
Ganz anders bei Hedi Slimane: Dieser schien sich um die Gunst der Fashion-Elite gar nicht zu scheren. Seine Verwurzelung in der Berliner und Londoner Musikszene, für die er bei Dior-Homme die Inkarnation der Indie-Boys beschworen hatte, und sein Fotografen-Dasein in L.A. schlugen sich in der Sitzordung nieder: Statt einflussreichen Modejournalisten sass da eine glitzernde Riege an Film- und Musik-Stars. Redakteure hatten hinter Selma Hayek, dem Ehepaar Kate Moss - Jamie Hince und den grossen Kollegen wie Diane von Fürstenberg, Alexander Wang und Marc Jacobs die Hälse zu recken. Ein grossartiges Line-Up für ein mit Spannung erwartetes Fashion-Rockfestival, das bereits im Vorfeld mit Skepsis betrachtet werden musste.
Die von Slimane erwirkte Umbenennung des Labels von «Yves Saint Laurent» zu «Saint Laurent Paris» zeugte nicht gerade von Bescheidenheit. Und das tat auch seine Fashion Show nicht. Die dunkle Decke des Grand Palais teilte sich zu Anfang der Show dramatisch, um den Runway zu den Bässen von Daft Punk freizugeben. Das Vermächtnis Yves Saint Laurents mit Smokings, Outdoor-Chic und viel Bohème war zwar ebenso spürbar wie Slimanes extrem schmal geschneiderte Handschrift, die Neuerfindung liege allerdings in der Vergangenheit, mahnten die Kritiker. Mit den meist langen, wallenden Kleidern, dem vielen Leder, transparenten Rüschenhemden, Fransen und breitkrempigen Filzhüten sei er ein wenig zu sehr in die 70ies abgerutscht und wüsste der DNA Yves Saint Laurents kaum etwas hinzuzufügen. Die gefürchtete Modekritikerin der International Herald Tribune, Suzy Menkes, klappte bereits nach wenigen Minuten das Notitzbuch zu. Die Applausstürme hielten sich in Grenzen und Slimane hatte nach der Show keine Lust mehr auf Interviews. Aber Kate Moss mochte es. Immerhin. Die Show könnte direkt aus ihrem begehbaren Kleiderschrank gepurzelt sein.
Die NY Times: Öl im Feuer des Gefechts
Nun kommt auch noch die New York Times ins Spiel und spitzt die ungute Situation für Hedi Slimane weiter zu. Cathy Horyn, verantwortlich für den NY Times-Blog «On the Runway», bezeichnete die Kollektion als «eine nette, aber eingefrorene Vorstellung eines Boho-Chicks im Chateau Marmont» (Kate vielleicht...?). Man mag ihre Kritik auf ein vorpubertäres Schmollen zurückführen, da Slimane sie schlicht nicht zu seiner Show eingeladen hatte. Doch der Ursprung dieser Fehde liegt bereits acht Jahre zurück. Denn 2004 wagte Horyn zu behaupten, ohne Raf Simons schmale Silhouetten gäbe es gar keinen Hedi Slimane. Sie relativierte die Aussage zwar, indem sie dies auf das organische Wachstum von Mode zurückführte: Ohne Helmut Lang gäbe es wahrscheinlich auch keinen Raf Simons. Hedi Slimane wollte dies aber nicht so sehen und so erklärte er sich Horyn und Simons gleichermassen zu seinen Feinden. Da auf dieser Fashion Week in Paris gegen den glanzvollen Auftritt von Dior nichts mehr auszurichten schien, schoss Slimane eben ganz erwachsen auf Twitter gegen Cathy Horyn, bezeichnete ihren (Schreib)Stil als mittelmässig und provinziell, sie als «Schulhofschläger» und «Stand-Up-Comedian» und machte dann selbst den Joke, sie würde in seinen Shows nie wieder sitzen dürfen, bekäme aber vielleicht «2 for 1» bei Dior.
Es ist offensichtlich nicht alles Gold, was man da auf all den schönen Kleidern glänzen sieht. Offiziell gilt Raf Simons als der Gewinner dieses Kleider-Krieges. Wer Ihr Favorit ist, dürfen Sie selbst entscheiden. Wir können Ihnen hier aber Tipps geben, wie Sie beide Looks möglichst unkompliziert nachstylen können. Egal ob schwarzes Leder oder schimmerndes Pastell, suchen Sie sich eine Seite aus: YSL oder Dior. Easy!
Text: Linda Leitner
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